Kreativität ist, etwas durch dich in Erscheinung treten zu lassen. c/o I. Rauthmann
 Kreativität ist, etwas durch dich in Erscheinung treten zu lassen.   c/o I. Rauthmann

Falsch verstanden. Und so.

12, September 2018

 

Heute  sahen wir dich zum dritten Mal.

 

Keine Bange, ich werde jetzt sicherlich nicht über jedes Treffen von uns beiden berichten, doch im Anfang ist alles so neu und aufregend.

 

Dein Papa fragte mich letzte Woche, ob wir für ihn und deine Mama kochen wollten. Wir versuchen uns nicht aufzudrängen, bieten aber Hilfe an, weil ich ja weiß, wie sich das anfühlt, ein Leben mit einem Baby. Beim ersten Baby ist alles noch so aufregend, man fühlt sich unsicher, der Tag verrinnt schneller als man will und unterm Schluß, am Ende eines Tages, bleiben eine müde Mama, vollgemachte Windeln, Müdigkeit zurück, manchmal eine nicht aufgeräumte Wohnung. Daran kann ich mich noch so gut erinnern, als dein Onkel Julian zur Welt kam. Es gab Tage, da kam ich aus dem Bademantel nicht heraus, ungewaschen, ungekämmt, ging es wieder in die Nacht.

 

Ich glaube, indem wir ab und zu den Dienst "Essen auf Rädern für Lina, Frederic und Paula" anbieten, ist schon geholfen. Ja, auch für Paula, denn deine Mama stillt dich und so kommst du auch schon in den Genuß von Omas Küche.

 

Dein Papa schrieb, dass er am vereinbarten Tag um 17 h da sei. Ich las daraus, dass ihr uns hier, in Vluyn, besuchen kommt.

 

Gewünscht wurden Königsberger Klopse, die ich nach einem Rezept von deiner Uroma herstellte. Gegen 16.30 h kochte ich Kartoffeln, alles stand ansonsten fix und fertig auf dem Tisch. Das Warten begann. Niemand kam. Um 17.40 h dachte ich, ich frage bei deinem Papa mal an, das geht heutzutage über whatsapp, einem Nachrichtendienst, mit dem man sich hin- und herschreiben oder sprechen kann. Ich war ja auch ein wenig unsicher. Mit einem kleinen Säugling kann man nicht immer pünklich erscheinen. Und ich will deine Eltern nicht verärgern, indem ich sie bedränge.

 

Ich beschreibe es mal so:

 

Frederic: Magst du für uns am Mittwoch kochen?

Mutterherz: Jaaaaa, total gerne (und zählte ihm etliche Gerichte auf, was ich im Angebot hätte - er und deine Mama entschieden sich für die Uroma-Klopse, siehe oben).

Frederic: Ich bin um 17 h da.

Mutterherz: Paula und ihre Eltern kommen Oma und Opa zuhause besuchen. Große Freude.

 

Am selbigen Tag das Essen vorbereitet, gefühlte 100 Klopse, es soll ja für mehrere Tage reichen. Vorausschauend gekocht, sozusagen. Decke und Handtuch auf der Couch ausgebreitet, damit du da evtl. liegen kannst.

 

Essen Punkt 17 Uhr fertig! (Ich bin da sehr von deinen Urgroßeltern Paula und Günter geprägt, da musste das Essen immer pünktlich auf dem Tisch stehen bzw. wir mussten pünktlich bei ihnen erscheinen.)

 

17.15 Uhr:  Den Topf mit den gekochten Kartoffeln habe ich in das bereitgestellte Handtuch und die Decke gewickelt. So machte man das früher, zu Zeiten deiner Urgroßeltern, um Essen warmzuhalten.

 

17.45 Uhr: keine Paula in Sicht. Oma Geli schwankt ein bisschen zwischen Unmut (Mensch, das Essen wird kalt), Sorge und Zweifel (soll ich jetzt mal anrufen?)

 

17.46 Uhr: ich entscheide mich für eine harmlose Whatsapp: Na, wie lange braucht ihr noch, bis ihr hier seid?

 

17.46 Uhr: Nachricht von deinem Papa: Wir warten hier auf euch, ich dachte ihr kommt hierher?

 

17.47 Uhr: Nachricht von Oma Geli an deinen Papa: du schriebst aber doch, du bist um 17 Uhr da?

 

17.47 Uhr: Nachricht von deinem Papa an mich: JA, DA. DA = zuhause! Hier, bei uns.

 

17.48 Uhr: Oma Gelis AHA-Erlebnis.

 

17.48 Uhr: Oma Geli brüllt durchs Haus, dein Opa Peter sitzt unten im Büro. "Du musst SOFORT hochkommen, bring' Kisten mit, wir müssen nach Dinslaken. Wir haben uns missverstanden. Die Kinder kommen nicht zu uns, wir müssen dorthin."

 

17.55 Uhr: alles in Kisten verpackt - einen riesigen Topf mit Königsberger Klopsen, die gekochten Kartoffeln, eine Schüssel mit Salat, ein Glas rote Beete, eine Schüssel selbst gekochter Pudding (ich freue mich schon, wenn ich dir den das erste Mal kredenzen darf), Erdbeeren und Heidelbeeren.

 

Dein Opa Peter ist ja meist die Ruhe selbst, außer Schalke spielt oder er hat gar Hunger,  verpackte alles im Kofferraum unseres Autos.

 

17.56 Uhr: wir verlassen den Schulplatz, dein Opa schick gekleidet, die Oma im letzten Polter, Leggins und "Koch"-T-Shirt und olle Latschen, also nicht soooo ... naja! Egal. Hungrige Mäuler warten.

 

18.25 Uhr in Dinslaken:

Ich durfte dich die ganze Zeit halten, aß mit einer Hand ein bißchen, denn ich hatte gar keinen Hunger, du sättigst mich genügend, du kleine Maus. Ein wenig unruhig warst du. Ich stellte irgendwann fest, dass du es magst, wenn ich meine Hand auf deinen Kopf lege, dann wirst du ruhig. Aber auch wenn ich dich auf meinem dicken Bauch schaukle, fest an Herz gedrückt. Ich weiß ja nicht, wie ich mal aussehe, wenn du groß bist, aber heute bin ich recht mollig. Sehr, sehr mollig. Das hat halt den Vorteil, dass du dich auf meinem Bauch wohlfühlst. Du schliefst tief und fest auf besagtem ein.

 

Irgendwann werde ich dir alle Lieder vorsingen, die ich deinem Papa und Onkel Julian vorgesungen habe. Am meisten freue ich mich auf "Widele, wedele". Dazu kommen wir aber später.

 

Dann durfte Opa Peter dich im Arm halten. Ich machte vier Videofilme von ca. zwanzig Sekunden.

 

Heute laufen diese Filmchen in Dauerschleife. Mal schaut der Opa, ich höre es aus seinem Büro, mal schaue ich sie an. Jede Regung in deinem kleinen Gesicht. Jeden Ton saugen wir immer und immer wieder auf. Manchmal ertappe ich deinen Opa, wie er den Bildschirm vom Handy abbusselt. Paula, du wirst wirklich sehr geliebt - aus dem Bauch, mitten ins Herz. Wenn wir von dir reden, haben wir beide so ein entrücktes Lächeln im Gesicht.

 

Übrigens: dein Opa kaufte gestern das erste Überraschungsei für dich. Diese Schokolade gehört wohl einfach zur Kindheit? Dein Papa und Onkel Julian liebten sie auch sehr. Im Ei befinden sich kleine Spielsachen, die du bestimmt irgendwann auch begeistert zusammenbauen wirst. Kinderschokolade gehörte schon zur Kindheit deiner Oma Geli. 1968 kam sie auf den Markt, ich kann mich noch ganz genau daran erinnern. Fast jeden Freitag gab es eine Tafel, wenn mein Opa zu Besuch kam. 1968 flogen die ersten Menschen zum Mond und es wurden die ersten Farbfernseher in Deutschland eingeführt, dein Uropa Günter kaufte sofort einen. Ab und zu werde ich meine Kindheit und die deines Papas hier einfließen lassen. Vielleicht ist es mal spannend für dich, davon zu lesen.

 

Opa Peter hat schon vor deiner Geburt schöne Dinge für dich gekauft: ein Schmusetuch und eine Zahnfeedose, auch wenn du mit der in den ersten Jahren ja nun wirklich gar nichts anfangen kannst.

 

Da deine Mama dich ja stillt, kommt dir das Schokoladenei natürlich zu gute. Clever gedacht vom Opa.

 

Ach ja, und nicht zu vergessen die Pampers-Flatrate. Wir versuchen, deine Eltern da zu unterstützen, denn ein Baby braucht ja einige Windeln, bis es mal selbstständig zur Toilette geht. Das kann manchmal drei Jahre dauern.

 

Liebe Grüße - deine Oma und dein Opa in love.

 

 

 

 

 

 

 

18. September 2018

 

 

Heute hast du Oma und Opa das erste Mal in Vluyn besucht und warst richtig lange hier, dass wir dich ganz ausgiebig beschmusen konnten. Irgendwie magst du es, auf meinem Bauch geschaukelt und gewippt zu werden, um auf ihm einzuschlafen - tief und fest.

 

Ich weiß noch genau, dass meine Oma Charlotte Kiehl auch so mollig war wie ich heutzutage, ich gerne bei ihr auf der Couch auf dem Bauch lag und sie mir Märchen von den Gebrüdern Grimm vorlas. Darauf freue ich mich auch schon sehr, dass du irgendwann in meinem Arm den vorgelesen Geschichten lauschen wirst.

 

Auf dich warten schon ganz viele schöne Kinderbücher.

 

Da dein Papa dir jetzt schon vorliest, du bist gerade etwas über drei Wochen jung, und zwar die Geschichten vom Käptn Blaubär und du wohl schon begeistert seiner Stimme lauscht, denke ich, dass es dir irgendwann wirklich Freude bereiten wird, wenn du Geschichten vorgelesen bekommst.

 

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