Tagebuch

Hier schreibe ich demnächst über meine neuesten Eindrücke und Erlebnisse der bariatrischen Operation.

 

 

12.09.2020

 

Von der Ernährungsberater bin ich auf die sogenannte "Eiweißphase" vorbereitet worden. Nach einer bariatrischen Operation ist es sehr wichtig, auf die Proteine zu achten, sprich dem Eiweiß. Zur Supplementierung gibt es diverse Anbieter, die Eiweißprodukte in Form eines Pulvers anbieten. Nach einem bariatrischen Eingriff sind bekanntermaßen gerade Eiweiße, also Proteine von lebenswichtiger Bedeutung. In den ersten Tagen und Wochen nach der Operation benötigt der Patient die wichtigen Proteine vor allem zur schnellen Genesung und um wieder zu Kräften zu kommen.

 

So dachte ich mir, ich fange an, zu testen, welches Präperat zu mir passt.Während des ersten Schluckes machte sich ein großes Ekelgefühl in mir breit. Ich hatte eine Probe (Markennamen nenne ich nicht), die einen "Bananenshake" versprach. Ich löste die Probe, 25 mg, in 300 ml Wasser auf. Der künstliche Geschmack und diese schreckliche Süße des Produktes machten mir direkt zu schaffen.

 

Wir sind Verfechter des "cleaneatings" - wir nutzen, sofern möglich, immer frische und unverarbeitete Lebensmittel, möglichst aus regionalem Anbau. Lebensmittel mit zugesetztem Zucker versuchen wir möglichst zu vermeiden. Wir essen Vollkornprodukte. Auch dem Thema Süßigkeiten und Alkohol versuchen wir oft - nicht immer, nein, aber oft - zu entziehen. Das klappt sogar an vielen Tagen. Somit haben wir, mein Mann und ich, einen recht verwöhnten Gaumen. 

 

So quälte ich mich durch den Tagen mit Magengrummeln. Das kenne ich so gut wie gar nicht. Meine Seele und mein Körper verweigerten diese Art der Nahrung.

 

Auf ein Kilogramm gehört ein Gramm Eiweiß. So werden wir vom Adipositaszentrum in dem multimodalen konservative Behandlungskonzept (MMK), der Vorbereitungszeit VOR Operation, darauf konditioniert, zunächst das Eiweiß einer Nahrung zu essen, bevor es an die Kohlenhydrate geht. DAS ist für mich das ziemlich größte Problem bisher, da ich eher ein Kohlehydratesser bin.

 

Doch rettet mich wohl auch meine Vorliebe für alle Milchprodukte (außer Käse, den nur im warmen Zustand) darüber hinweg.

 

Ich muß dem AZ vorweisen, dass ich bereit bin, regelmäßig Sport zu treiben. Ich, die ihr Leben lang nach dem Motto lebt, Sport ist Mord. Ich betreibe Aquagymnastik, habe ein Liegendergometer und habe begonnen, kleine Spaziergänge zu machen. Letzteres geht nur in Verbindung mit dem Steine auswildern. Das macht für mich den Anreiz.Schlägt jedoch die Fibromyalgie zu, inform eines Schubes, bin ich out of order und bin nicht in der Lage, dem Geforderten nachzukommmen. Mal schauen, wie die Ärzte darauf reagieren?

 

Diverse Arztbesuche stehen und standen an, Ärzte, die mich idealerweise darin unterstützen sollen, dass mein adipöser Zustand eine Grenze erreicht hat. Dass ich alles versucht habe, um abzunehmen. Alle haben bisher zugesagt, mir behilflich zu sein.

 

Ein psychologisches Gutachten ist Voraussetzung. Da ich seit 1995 immer Therapie, auch wegen der Eßstörung gemacht habe, wird das wohl nicht das Problem werden.

 

Ich werde endokriniologisch und auch orthopädisch untersucht. Die Ernährungsberatung ist Pflicht.

 

Sublementierung sehr guter Vitamine, insbesondere Vitamin B12, eine lebenslange Nachsorge warten auf mich.

 

Mein voraussichtlicher Termin wird wahrscheinlich Ende des Jahres 2020 sein. Mit 60 Jahren. Die Vorbereitungszeit bis dahin erachte ich als wichtig, denn der Kopf wird nicht mit operiert. Ich bin froh, dass ich das Thema Eßstörung in der Therapie insofern erfolgreich behandeln konnte, dass ich wieder Hunger und Sättigung verspüre. Dieses Gefühl kannte ich lange nicht. Seit drei Jahren gehört es wieder zu mir. "Eine gute Voraussetzung", so die Ernährungsberaterin und auch die behandelnde Ärztin.

 

 

26.09.2020

 

Auf Dummheit und Überheblichkeit war ich nicht vorbereitet.

 

Ich gehe mittlerweile sehr mutig mit dem Thema um. Viele Menschen wissen bereits, was ich vorhabe. Bisher bekam ich nur positiven Zuspruch.

 

Vergangene Tage war das jedoch anders.

 

Ich traf auf eine Menschin, von der ich im Prinzip wusste, dass sie nicht um die Ecke denken kann. Ich versuche das jetzt höflich zu umschreiben, obwohl ich mich sehr über sie aufregte und bis heute den Ärger spüre. Sie, selbst suchterkrankt, rauchend, arge psychische Probleme meinte zu mir, die recht aufgeräumt durchs Leben läuft, eben weil ich mir stets Hilfe suchte, man könne JEDE Sucht bekämpfen, wenn man das nur wolle.

 

Ich fragte sie dann, wie sie es machen würde. Na, gesund essen! Ich sagte ihr, dass wir das täten. Das musste sie dümmlich belächeln. Dann müsse man halt nur Salat und Gemüse essen, dann klappe das auch mit dem Abnehmen, täte sie ja auch. Sie ist superschlank. Als ich sie nachher essen sah, machte ich mir so meine Gedanken. Schlingen, nicht genießen, und viel. Egal, sie darf das ja wohl, aber ihre Zigarettensucht und anderes kriegt sie nicht in den Griff.

 

Mich beschäftigt diese Dummheit und Überheblichkeit von Menschen so sehr. Mein Mann sagte dazu, ich solle es abhaken. Aber so schnell geht das bei mir nicht. Das Schreiben darüber hilft jedoch sehr.

 

Wenn man als dicker Mensch erklärt, dass man sich weitest gehend gesund ernährt, reagieren manche, meist Ärzte, bei mir Gott sei Dank nur einer, der es nicht ertragen konnte, dass ich beim Doppler Ultraschall gesunde Venen hatte, zynisch und belachen deine Bemerkung. So auch die Dame, die ich oben erwähnte, zwang sich zu diesem überheblichen Lächeln.

 

Doch stoße ich auf Menschen, die mir sagen: ich glaube dir! Das sind auch manche Ärzte, auch die mich jetzt behandelnde Ärztin, die mich operieren wird, meine Ernährungsberaterin, die oft zu mir sagt: ich feiere Sie!, und meine liebsten Menschen, die sich um mich scharren. Das sind sehr viele.

 

Freundschaften kann ich nicht mehr eingehen, Freundschaften haben mir in der Vergangenheit so viel abverlangt, dass ich nicht mehr das geben konnte, was man von mir erwartete. Selbst Freundschaften haben mich in einen Burnout getrieben. Oft hatte ich vor den Tagen Angst, als damalige Freundinnen zu mir kamen, ihren Ballast bei mir ausschütteten, gingen und doch nichts änderten. Hauptsache, sie hatten es sich von der Seele geredet. Ich hätte wirklich Geld wie für eine Therapiestunde nehmen sollen.

 

Ich war stets bestrebt, etwas zu ändern, wenn ich um Rat suchte. Das tun jedoch die wenigsten. Das erlebte ich oft.

 

Seitdem scharre ich diese wundervollen Menschen um mich, die mich achten und wertschätzen, sich natürlich auch mit mir austauschen, aber anders, als wie in einer Freundschaft verlangt, die mir so oft übermitteln, wie sehr sie mich mögen und respektieren. Die mir immer wieder aufzeigen, wie gerne sie mit mir zusammen sind. Und das sind verdammt viele. Und immer kommen mehr dazu. Ich weiß, das ist auch eine Art von Freundschaft UND Liebe, die ich für jeden einzelnen empfinde. Sie sind alle in meinem Herzen.

 

Ich weiß, dass ihr hier lest, und ich sage euch allen, ich bin so froh, euch alle zu haben, jeden einzelnen mit euren Worten, Gesten. Mit eurer Empathie und Wertschätzung.

 

Ich sag nur KARMA. Dazu schreibe ich ein anderes Mal.

Demnächst mehr!

 

Mein Angstzwilling und ich *demnächst mehr

 

21. Oktober 2020

 

Der eine hü, der andere hott.

 

Jedes Adipositaszentrum behandelt anders, ebenso gibt es in der Ernährungsberatung viele unterschiedliche Meinungen und Auffassungen.

 

Ich habe beschlossen, mich voll und ganz in die Hände meiner Ärztin und Ernährungsberaterin zu begeben, da sie mein vollstes Vertrauen besitzen.

 

Das Josef Krankenhaus ist noch kein zertifiziertes Adipositaszentrum, es befindet sich noch im Aufbau.

 

Jedoch gefällt mir das Konzept der behandelnden Ärztin sehr gut. Sie handelt ein wenig nach dem ganzheitlichen Prinzip. Sie sieht den Menschen mit seinen Ängsten, Schwächen und versucht sich, in einen hineinzudenken. Unterstützt wird sie von Herrn G., der eine begleitende Funktion hat und Betroffener ist. Er versteht genau das, was man berichtet und kann ggf. "übersetzen". Er weiß, wie man sich als adipöser Mensch fühlt.

 

Mir hat besonders gut gefallen, dass dort nach dem Prinzip: "essen lernen wie ein gesunder Mensch" verfahren wird. Kein unnötiges Wiegen, keine Diät mehr, kein Kalorienzählen. Essen nach Hunger und Sättigung.

 

Letzteres kann ich, dank Therapie, schon wieder seit drei Jahren. Der "Kopfhunger" begleitet mich nur noch selten. Ich müsste lügen, wenn er sich ganz von mir verabschiedet hat.

 

Durch die Therapien habe ich in mir aufgeräumt. Ich merke oft, in Gesprächen mit nichttherapierten Menschen, dass das für mich von Vorteil sein könnte. Es bleibt aber abzuwarten.

 

.Deshalb finde ich auch so wichtig, dass vor so einem Eingriff eine Verhaltenstherapie durchlaufen werden sollte. Das aber ist allen Beteiligten, die ich kenne, nicht bekannt und fremd.

 

Ich werde von der Ernährungsberaterin zur Zeit darauf sensibilisiert, erst immer eiweßlastiges der Speisen zu essen, dann Gemüse, Salat und dann die Kohlenhydrate. Auch letztere sind weiterhin wichtig, jedoch soll der Eiweißanteil überwiegen.

 

Es gibt EB, die nach wie vor Diäten empfehlen. Heute hörte ich "nicht mehr als 1200 Kcal." Abwiegen, abmessen. Das war mir irgendwie direkt "zuwider". Mir gefällt der Grundsatz meiner Ärztin wesentlich besser. Gesund werden. Nicht mehr über Essen nachdenken. Essen als Genußg. Handeln wie jeder gesunde Mensch.

 

Und werde stellenweise dafür belächelt oder gar belacht.

 

*Fortsetzung folgt

 

 

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